Hermann Mittermair im Interview zu gegen-gratis.at
Herr Mittermair, Sie unterstützen die „Plattform gegen Gratis-Präsentationen“, weshalb?
Eine Kundenpräsentation zu erstellen ist Arbeit, es fließen Know-how, Zeit und Kreativität ein, Aber auch Herzblut, denn nur mit der richtigen Portion Leidenschft lassen sich emotionale Botschaften finden, die auch ankommen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, genau diese Kernleistungen zu verschenken. Alle die das machen, schaden dem gesamten Markt nachhaltig und ihren Kunden noch dazu. Die Plattform stellt für mich den wichtigen Gegenpol zu einer negativen Entwirklung dar.
Wieso schaden Gratis Präsentationen der Branche?
Ich kann das jetzt über gut zwei Jahrzehnte beobachten. So wenig wie derzeit, war Kreativ- und Designleistung noch nie wert. Und das obwohl Markenpositionierung noch nie so wichtig war. Wer seine Kunden aber auf hohem Niveau beraten will, muss sich täglich fortbilden und das ist mit dem verschenken von Leistungen leider nicht finanzierbar.
Selbst aus Präsentationen, die dann angelehnt werden, lernen Kunden mehr über sich, ihren Markt und ihr Produkt, als sie je selbst in Erfahrung hätten bringen können. Eine Fülle von Eindrücken, Wahrnehmungen und Ideen. So eine Turbo-Horizonterweiterung muss was wert sein.
Können Sie Unternehmen verstehen die auf gratis Präsentationen beharren?
Verstehen ja, akzeptieren nein. Denn langfristig schaden sie sich selbst. Immer weniger Büros können sich das leisten. Und je weniger Wettbewerb herrscht, desto geringer wird Kreativität und Beratungsqualität der Branche, was wiederum zur Folge hat, dass auf mittlere Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der Auftraggeber sinkt. Und, was meinen Sie, wie ehrlich ist die Einschätzung eines externen Beraters, dem das Wasser bis zu Hals steht? Kunden brauchen kritische Vollprofis und keine angstvollen Speichellecker.
Wie hoch sollten die Präsentationshonorare ihrer Meinung nach angelegt werden?
Das lässt sich schwer verallgemeinern, da jede Aufgabenstellung andere Anforderungen hat und unterschiedliche Zugänge verlangt. Vielleicht ein Drittel des regulären Honorars. Die investierten Aufwände lassen sich ohnehin nicht durch das Präsentationshonorar abdecken. Aber die Leistung muss mit echtem Geld honoriert werden.
Wer steht hinter der Kampagne „Plattform gegen Gratis-Präsentationen“?
Ursprünglich von der WKO Gruppe Werbung Wien gegründet, sind mittlerweile sind fast 500 Commitments seitens Werbetreibender und Unternehmen auf der Website www.gegen-gratis.at zu finden. Auch die Spartenobfrau der oö. Fachgruppe für Werbung und Marktkommunikation hat sich jüngst, in der OÖ Wirtschaft zu Wort gemeldet. Sie sieht durchaus Handlungsbedarf und hat angekündigt konkrete Fälle aufzuarbeiten und transparent darzulegen.
Gibt es nach Ihrer Ansicht andere Wege, um heraus zu finden, wer für das eigene Unternehmen der richtige Agentur-Partner ist?
Wer Wettbewerbe ausschreibt, weil er hofft dass "da draußen" jemand ist, der vielleicht irgendwie doch ein Wunder vollbringen kann, und das zum halben Preis, wird auf Dauer nicht vorwärts kommen.
Der beste Weg ist sicher, sich aufgrund von Referenzen, Arbeitsweise, Professionalität, Kreativität und Herangehensweise an das Thema für einen Agenturpartner zu entscheiden und mit dem gemeinsam die Marke zu entwickeln. Nur so erhält man Konzepte mit Tiefgang und Nachhaltigkeit. Das beste Beispiel dafür ist die vertrauensvolle Beziehung von KTM zum Büro von Gerald Kiska.
Wer noch vordergründig in Werbe- oder Designlöungen denkt, hat heute ohnedies keine Chance. Nur wer seine Markenführungs-Prozesse verlässlich im Griff hat und seine Kunden als Mitgestalter von Produkten, Dienstleistungen und Abläufen akzeptiert, gehört zu den Gewinnern der Zukunft.
Vielen Dank für das Interview!


